Gefühle erkennen ist harte Arbeit – Hilfe für Kinder mit Autismus

28.03.2018 - 08:00

Am 2. April ist internationaler Welt-Autismus-Tag. Er ist ein Zeichen der Solidarität mit Menschen mit Autismus und deren Angehörigen. Im Diakonie Zentrum Spattstraße werden insgesamt 120 Kinder in verschiedenen Bereichen betreut. Immer mehr Kinder leiden unter der tiefreifenden Entwicklungsstörung.​

Mit dem achtjährigen Phillip trainiert Sozialpädagogin und Autismus-Expertin Carmen Aichern seine soziale Kompetenz. Wie die meisten Kinder mit Autismus tut er sich schwer, Körpersprache oder Mimik von Menschen zu verstehen. „Das Gefühlslotto, ein Spiel mit Symbolbildern, hilft Phillip, Mimik und Gestik zu verstehen. Phillip beginnt gerade damit, die Gefühle den richtigen Bildern zuzuordnen. Für ihn ist das harte Arbeit, vergleichbar mit dem Erlernen einer Fremdsprache.“ Da Kinder mit Autismus leichter über das Sehen als über das Hören lernen, sind Zeichnungen oder Fotos wichtige Hilfsmitteln.

„Kinder mit Autismus-Spektrums-Störung haben Schwierigkeiten mit dem Entziffern ihrer Umgebung. Sie haben Mühe, Gefühle anderer zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren. Gesellschaftliche Umgangsformen können sie nicht verstehen. Wer ihnen Freund oder Feind ist, können sie nur schwer unterscheiden. Das stresst und macht ängstlich. Daher ziehen sich autistische Kinder häufig zurück in ihre eigene Welt oder wiederholen bestimmte Handlungen immer wieder, um so für sich Ordnung in eine unverständliche Umwelt zu bringen“, erklärt Carmen Aichern.

Das Vertrauen zu seiner Betreuerin hat Phillip ganz langsam aufgebaut. „Es gehört zur Regel, diese Kinder nicht mit Nähe zu überfordern. Sie haben ein anderes Empfinden für Nähe und Distanz und benötigen ihre Rückzugsbereiche. Sie brauchen Zeit, bis sie jemanden vertrauen.“ Auffällig ist für die Pädagogin auch der stark ausgeprägte Wille dieser Kinder. Durch Verhandlungen kann sie Phillip dazu bewegen, sich neuen Situationen auszusetzen: Zuerst geht’s auf zum Spielplatz – einem normalerweise bei Kindern beliebten, von ihm aber gemiedenen Ort des Zusammentreffens. Danach spielt sie mit ihm sein Lieblingsspiel im ruhigen Zimmer.

Carmen Aichern betont, wie wichtig es ist, so bald wie möglich mit der Unterstützung dieser Kinder und Familien zu beginnen. „Autismus kann zwar nicht geheilt werden. Aber es ist möglich, Fähigkeiten zu erlernen, mit denen sich die Betroffenen besser in ihrer Umgebung zurechtfinden. Eltern nehmen schon früh wahr, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmt. Z.B. wenn das Kind die Eltern nicht ansieht oder anlacht, sie nicht begrüßt und ihnen nicht zuwinkt“

Die Eltern sind froh über diese Begleitung. „Häufig passiert es uns, dass wir von Außenstehenden als unfähig angesehen werden, nur weil unser Kind anders ist. Hier können wir über unsere Schwierigkeiten in der Erziehung und die oft blanken Nerven reden, ohne verurteilt zu werden. Ihre Tipps erleichtern den täglichen Umgang mit Phillip sehr.“