Diakonietag zum Thema Unternehmenskultur

18.11.2011 - 09:00 bis 16:00

Vielfalt leben - Unternehmenskultur in der Diakonie

Am 18. November trafen sich mehr als 70 Führungskräfte diakonischer Einrichtungen aus den Bundesländern im Diakonie Zentrum Spattstraße in Linz. WAS diakonische Einrichtungen anbieten, unterscheidet sich nicht von dem, was andere Einrichtungen anbieten, sei es in Frühförderung, Unterstützung der Erziehung, Behindertenhilfe oder Altenhilfe. Höchstens WIE sie es tun, macht noch einen Unterschied.

Laut Univ. Prof. Dr. Andreas Heller nimmt die Debatte um das diakonische Profil nie ein Ende. Denn wenn die Leistung schneller, besser und billiger erbracht werden soll, mit weniger bzw. weniger gut qualifiziertem Personal, dann überlagert die wirtschaftliche Orientierung alle anderen Bereiche. Wie kann hier die ethische Orientierung zur Geltung gebracht werden? Er plädierte für „Verständigungssysteme“, in denen Menschen mit Führungsverantwortung ihre eigenen Interessen in den Hintergrund stellen und ein offenes Kommunikationsklima gestalten. Diese Offenheit drückt sich z.B. darin aus, wie mit Irritationen umgegangen wird. Die Gefühle der Betroffenen (MitarbeiterInnen und KlientInnen) ernst zu nehmen, hat nachhaltige Effekte auf die Unternehmenskultur. Denn im Normalfall ist der „Unterwerfungsbereitschaftsgeist“ sehr groß und Unsicherheiten oder Irritationen kommen viel zu selten in der Aus- und Weiterbildung oder in Teamtreffen zur Sprache. Wenn jemand das Gefühl hat, da stimmt etwas nicht, ist das ein wichtiger Ansatzpunkt für eine gemeinsame Auseinandersetzung. Denn erst geteilte Unsicherheit schafft Sicherheit.

Frau Dr. Beate Hofmann (Professorin an der evangelischen Hochschule Nürnberg) beschreibt Führungskräfte als „Kulturmanager“. Sie sind Kulturgestalter und haben eine zentrale Verantwortung für Unternehmenskommunikation und Personalführung, aber sie gestalten Kultur nicht allein. Auch Mitarbeitende gestalten Kultur: Kontakt zu Pflegebedürftigen, Teamatmosphäre, Umgang mit Neuen, Gestaltung von Räumen, Gestaltung von Feiern. Den Einwand, dass all das zuviel Geld und zuviel Zeit koste, lässt sie nicht gelten. Denn Vieles von dem, was hier aufgeführt wird, müssen Führungskräfte sowieso tun. Die Frage ist nur, wie es geschieht, was dabei leitend ist und wie viel Achtsamkeit und bewusstes Gestalten darin sichtbar werden. Manches ist ganz einfach, oft sind es Kleinigkeiten mit großer Wirkung, positiv wie negativ.

Nach den Vorträgen am Vormittag tauschten sich die TeilnehmerInnen am Nachmittag noch in fünf Foren aus. Themen waren 

  1. Diversity / Gender, 
  2. Feierkultur / Symbole / Rituale, 
  3. Mitbestimmung / Selbstbestimmung / Partizipation, 
  4. Wertschätzung / Achtung / Respekt / Ressourcenorientierung, 
  5. Erschwinglichkeit / ökonomische Wertschöpfung / Zugang.

Die TeilnehmerInnen waren begeistert von der praxisnahen Gestaltung des Tages. "Jede/r kann sich daraus etwas mitnehmen für die Gestaltung des eigenen Alltags in der Einrichtung. Darüber hinaus war es wieder einmal eine gute Gelegenheit, einander zu begegnen und sich auszutauschen."