Nähe durch Nähen

26.02.2019 - 00:01

Stylische Kleidung durch Upcycling

Warum wir die Idee aufgreifen. Was wir uns erwarten:

Upcycling – die Idee kam direkt von der Zielgruppe. Viele alleinerziehende Mütter verfügen nur über ein begrenztes Haushaltseinkommen und können mit diesem total einzigartigen Projekt für sich und ihre Kinder mit ihren eigenen Händen und mit wenig Geld stylische, individuelle Sachen herstellen.  

Im Sinne des Empowerments von (benachteiligten) Frauen und Müttern halten wir es für wichtig, die Frauen dabei zu unterstützen, eigene Wünsche und Ideen umzusetzen. Handwerkliches Tun und das erfolgreiche Bewältigen selbstgewählter Aufgaben beeinflussen die psychische Situation positiv. Selbstwirksamkeit und Selbstwert, Ausgeglichenheit und Kreativität werden gefördert – Eigenschaften und Zustände, die sich wiederum positiv auf die Kinder auswirken.

Es entsteht ein Bewusstsein, dass man das eigene Leben ein Stück weit in die Hand nehmen und gestalten kann, dass es für jede Frage unterschiedliche Lösungen gibt und die selbstgefundene Lösung oft besser passt als die vorgefertigte. 

Durch die Anwesenheit der Kinder in den Nähstunden lernen die Mütter Strategien, wie sie ihre eigenen Interessen mit den Bedürfnissen der Kinder in Einklang bringen können, und die Kinder erleben das handwerkliche Tun ihrer Mütter (im Bildschirmzeitalter für viele eine neue, beispielgebende Erfahrung). 

Das gemeinsame Projekt verbindet die Frauen, sie lernen sich kennen und stützende Netzwerke können entstehen.

Wenn nähen zum Experiment wird

Nähen mit Kleinkindern, ist dies überhaupt möglich? Mit dieser Frage haben wir versucht, Mütter mit ihren Kindern zu motivieren, selber etwas zu nähen. Ziel ist es, dass sich die jungen Mütter auch zu Hause kreative bzw. handwerkliche Arbeiten zutrauen (insbesondere neben ihren Kindern) und die erlernten Fähigkeiten auf andere Lebensbereiche transferieren.

In den letzten Wochen wurden fleißig einige Nähmaschinen und Overloks organisiert, ebenso erste Nähutensilien und Stoffe. Eine nähkundige Person, früher selber Teilnehmerin eines Gruppenangebotes im Diakonie Zentrum Spattstraße, wurde für die ehrenamtliche Mitarbeit gewonnen. Unsere Mitarbeiterinnen begleiten die Mütter beim ausgewählten Kleidungsstück vom Schnitt bis zum fertigen Produkt. Die Mütter sollen jeden Schritt lernen, damit sie ihn zu Hause dann auch umsetzen können. Grundsätzlich sollen sie versuchen, neben den Kindern zu arbeiten bzw. sich auch untereinander abzusprechen, wer sich abwechselnd für kurze Zeit um die Kinder kümmern kann.

Bei unserem ersten Termin Ende Jänner war uns wichtig, dass alle Mütter mit einem fertigen Stück nach Hause gehen. Es wurden bereits tolle Hosen genäht. In den nächsten Wochen werden größere Projekte begonnen, sodass einfach beim nächsten Termin weiter genäht werden kann.

Es waren alle mit großer Freude dabei und es war unbeschreiblich schön, die Mütter dabei zu beobachten, wie ihr Kleidungsstück sich entwickelten und damit auch ihr Selbstwert stieg. Für unsere Klientinnen ist es oft sehr schwierig, sich auf etwas Neues und Unbekanntes einzulassen. Für sie ist es wichtig und auch erforderlich, sie dabei zu unterstützen. Nähmaschinen sind leider für viele unleistbar, ebenso oft auch die Stoffe. Daher wird es auch ein Schwerpunkt sein, dies zur Verfügung zu stellen. Vielleicht auch mal die Möglichkeit anbieten, eine Nähmaschine mit nach Hause zu nehmen. Daher sind wir weiter auf der Suche nach Spenden für das Projekt.

Wir freuen uns auf weitere gemeinsame Nähstunden und die dabei erlebte Nähe.