Therapie für Kindern mit Autismus

27.03.2019 - 09:00

In Oberösterreich leben schätzungsweise an die 14.000 Betroffene im Autismus-Spektrum mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen. Viele haben keine Diagnose. Bei Kindern wird Autismus nun häufiger diagnostiziert. Im Kindergarten des Diakonie Zentrums Spattstraße werden von 46 Kindern 8 Kinder mit Autismus betreut. Ebensoviele stehen auf der Warteliste. Hier erhalten die Kinder individuell auf sie abgestimmte Therapien direkt im Haus.

Doris und Matthias Pöll haben schon bald bemerkt, dass etwas nicht stimmt mit ihrer Tochter Theresa. Besonders in der Spielgruppe mit gleichaltrigen Kindern ist aufgefallen, dass sich Theresa motorisch und sprachlich viel schwerer tat als andere Kinder und sich langsamer entwickelte. „Auffällig war, dass Theresa extreme Angst vor Geräuschen hatte. Nicht nur auf den Staubsauger reagierte sie panisch sondern auch auf die Spieluhr. Außerdem hatte sie Angst vor anderen Kindern. Sehr bald hat Theresa bestimmte Routinen eingefordert, z.B. wollte sie immer denselben Weg gehen.“ Bis die Familie Gewissheit hatte, hat es aber lange gedauert. Über eineinhalb Jahre hat sie auf die Diagnose gewartet. Viele Eltern warten dann auch noch lange auf die entsprechende Therapie.

„Wenn Kinder bestimmte Reize wie Alltagsgeräusche oder Berührungen als unangenehm empfinden, liegt häufig eine Wahrnehmungsverarbeitungsstörung zugrunde. Die Kinder reagieren darauf unter anderem, indem sie unruhig, unkonzentriert oder kribbelig und unaufmerksam werden. Theresa reagiert z.B. im Berührungssinn überempfindlich. Sensorische Integrationstherapie bringt hier sehr gute Erfolge“, beschreibt Ergotherapeutin Elisabeth Führlinger vom Diakonie Zentrum Spattstraße.

„Was aussieht wie ein Spiel ist für die Kinder harte Arbeit. Als Therapeutin ist es wichtig, mich einzufühlen und herauszufinden, wofür sich die Kinder interessieren und was sie gerne machen. Die Therapie wird dann auf die Kinder abgestimmt, so dass sie gerne kommen.“ Theresa holt Tierfiguren aus der zugedeckten Kiste, und es macht ihr Spaß, zu ertasten, welches Tier sie da in Händen hält. „Der Elefant hat eine raue Haut, der Hals der Giraffe ist sooo lang“ kommentiert sie, was sie erfühlt. „Der Erfolg bei Theresa ist deshalb so deutlich, weil sie regelmäßig Therapie erhält. Die Kindergartengruppe und die Eltern sind einbezogen und arbeiten mit. Die Mutter kommt einmal pro Woche in die Psychomotorik-Gruppe, wo Theresa mit zwei anderen Kindern spielerisch lernt“, ergänzt die Therapeutin.

Frau Pöll erzählt: „Mit dem Kindergartenplatz im Diakonie Zentrum Spattstraße hatten wir großes Glück. Hier wird ganz individuell auf Theresa eingegangen. Anfangs hatte sie Angst vor anderen Kindern. Theresa tut sich nicht so leicht in Gemeinschaft. Sie zieht sich eher zurück. Sie bastelt und malt gern und ist feinmotorisch sehr geschickt. Der Kindergarten und die Ergotherapie sind eine Entlastung und Unterstützung für uns. Theresa kann sich verbal jetzt besser ausdrücken, ihr Gleichgewichtssinn hat sich verbessert und sie kann balancieren. Sie geht gerne in den Kindergarten und fühlt sich wohl hier unter anderen Kindern. Und wir brauchen nicht wieder extra wo hinfahren zur Therapie und warten.“

„Im Alltag können wir uns jetzt besser nach Theresa richten. Wir achten darauf, dass gewisse Dinge immer an ihrem Platz sind, z.B. die Knöpfe am Herd immer versenkt sind, weil sie das ansonsten irritiert. Zwei Jahre lang ist es uns nicht möglich gewesen, in Anwesenheit von Theresa den Staubsauger zu verwenden. Jetzt geht Staub saugen auch schon problemlos.“ Der nächste große Schritt wird für Theresa der Schuleintritt „Davor haben wir alle schon ein bisschen Angst, aber wir sind zuversichtlich, dass sie auch das gut schaffen wird.“

AnhangGröße
PDF icon Pressetext Kinder mit Autismus190.11 KB