WG für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Mehr als vier Jahre lang betreute das Diakonie Zentrum Spattstraße Jugendliche, die alleine nach Österreich geflüchtet sind. Im Jänner 2020 musste die Einrichtung schließen.

In 4 Jahren 61 Jugendliche aus 9 Nationen betreut

Im Herbst 2015 wurde das Diakonie Zentrum Spattstraße vom Land OÖ. angefragt, als auf Kinder und Jugendliche spezialisierte Einrichtung ein Wohnquartier für die Betreuung von jugendlichen Flüchtlingen einzurichten. Der Träger des Diakonie Zentums Spattstraße, die Evangelisch-methodistische Kirche, hat diese Arbeit von Anfang an ideell und finanziell unterstützt. Der Diakonie Flüchtlingsdienst leistete mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung wertvolle beratende Unterstützung. Für 53 Burschen und 8 Mädchen, die ohne Familie nach Österreich geflüchtet sind, bot das Diakonie Zentrum Spattstraße in den vergangenen 4 Jahren ein Zuhause (Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, kurz UMF). Schweren Herzens muss das Quartier in Linz seine bisher weit und herzlich geöffneten Türen schließen.

Es gibt keine halben Kinder

Obwohl im Vergleich zu anderen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen nur eingeschränkt finanzielle Mittel zur Verfügung standen, war das engagierte Team von Anfang an geleitet von der Haltung: „Wir betreuen Jugendliche, die ein Recht darauf haben, wie Kinder und Jugendliche in unserem Land behandelt zu werden“. 

Die Situation für Flüchtlinge hat sich nicht verbessert

Für viele Jugendliche war es sehr belastend, nichts Sinnvolles tun zu können. Auch wenn kein Zugang zum Arbeitsmarkt bestand, wurden eifrig Kurse, Schulen, Praktikumsstellen und ehrenamtliche Arbeiten gesucht und auch gefunden. Erfolgsgeschichten dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Situation für Flüchtlinge über die Jahre nicht zum Besseren gewendet hat. Viele Jugendliche warten nun schon mehr als 4 Jahre auf einen Bescheid. 4 Jahre ohne Zugang zum Arbeitsmarkt, ohne Zugang zu Ausbildung, ohne Zukunftsperspektive – eine verlorene Zeit.

Wir sagen DANKE und wünsche alles erdenklich Gute

Dem bunten und beständigen Team mit Leiterin Christine Stöckler gelange es, eine familiäre Atmosphäre, die von Wertschätzung und Wohlwollen geprägt war, zu gestalten. Die Jugendlichen waren hier willkommen – mit ihren Sorgen, ihren Fähigkeiten, dem ganzen Rucksack, den sie eben mitbrachten. Manchmal war Humor das einzige Mittel – für BetreuerInnen und Jugendliche – die manchmal absurden und grausamen Nachrichten und vor allem die ständige Ungewissheit zu ertragen.

Uns bleibt nur noch, allen MitarbeiterInnen, UnterstützerInnen, SponsorInnen und WegbegleiterInnen von ganzem Herzen DANKE zu sagen. 
Den 61 Jugendlichen, die wir in den vergangenen 4 Jahren kennenlernen und ein Stück ihres Lebensweges begleiten durften, wünschen wir alles erdenklich Gute für ihre Zukunft!